Die Stadt Nowy Urengoi liegt etwas südlich des Polarkreises im Autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen am linken Ufer des Flusses Pur.
Es gibt mehrere Versionen über die Herkunft des Namens der Stadt.
Eine davon ist mit einer Legende der Chanten verbunden:
"Eines Tages stieg die Tochter der Sonne vom Himmel herab, verwandelte sich in eine Katze, sprang hinunter auf die Erde und zerschnitt den Boden mit ihrem Schwanz. Dort fließt jetzt der Pur. Und der Ort, wo sie wieder auf die Erde heraufstieg, trägt jetzt ihren Namen: Urengoi - die Tochter der Sonne".
Nach einer anderen Version kam das Wort "urengoi" in die Geschichte des Landes seit dem Ende der 40er Jahre hinein, als die sog. "Arbeitsheer" auf Befehl des damaligen KGB-Chefs Berija hier den Bau einer Eisenbahnstrecke begonnen hatte. Auch heute trifft man südlich der Stadt auf die Spuren jener Zeit. Vieles ist erhalten geblieben: Schwellen, Dämme, Schienen, verlassene Lager und Gräber der Komsomolzen. Sie gaben sich keine Mühe, über die semantischen Feinheiten der Sprache der Nenzen (eines Nomadenvolkes, das dieses Land "Urengoi" nannte) nachzudenken, und übersetzten den Namen auf ihre eigene Weise: "tödliche Gegend".
Die Sprache der Nenzen hat viele Dialekte, und es gibt mehrere Übersetzungen für das Wort "Urengoi". Manchmal sind sie das Gegenteil voneinander: "Ein Sandhügel in der Tundra", "kahler Hügel", "der Hügel, auf dem Lärchen wachsen, die man beim Bau des Nomadenzeltes verwenden kann", "der Hügel, der mit gelbem Gras bedeckt ist", und auch: "Die Gegend, die vom Schmelzwasser überflutet wird".
Die letzte Vatiante wurde wohl von der Natur vorgeschlagen: die Siedlung der Erkundungsgeologen am Ufer des Purs, die den Namen Urengoi trägt, und manchmal auch "Staryj Urengoi" genannt wird (rus. "staryj" - alt), ist jedes Jahr im Juli vom Hochwasser überschwemmt.
Wie dem auch sei, die Stadt hat schon ein ganzes Kapitel in die Geschichte der Erschließung Sibiriens geschrieben, obwohl sie noch sehr jung ist - erst im Jahre 2000 feierte Nowy Urengoi ihr zwanzigjähriges Jubiläum.
Am 22 September 1973 schlugen die Bauarbeiter neben der Baracke einen Pfahl mit dem Schild "Nowy Urengoi" ein.
1975, als die Erdgasarbeiter die Bohrung der ersten Fördersonde beendet haben, erhielt Nowy Urengoi den Status einer Siedlung, und nach fünf Jahren war es schon eine Stadt.
Heute ist sie eine der größten, hochentwickelten, industriellen Städte, die in den nördlichen Gebieten der Erde liegen.
Nowy Urengoi hat zur Zeit eine Einwohnerzahl von rund 110.000 Menschen. Das Alter der meisten Einwohner liegt unter 30 Jahren, ca. 10 % sind Rentner.
In der Stadt gibt es über 2000 Organisationen und Betriebe aller Eigentumsarten. Die wirtschaftliche Basis von Nowy Urengoi ruht auf der Industrie - den drei größten Tochtergesellschaft der OAO Gazprom. Es sind "Gazprom dobytscha Urengoi" und "Gazprom dobytscha Jamburg", die gemeinsam 74 % des gesamten russischen Erdgases fördern, und "Tjumenburgaz" dem größten Unternehmen, das Aufträge über den Bau von Fördersonden erfüllt. Das von ihnen geförderte Gas fließt durch Pipelines in das einheitliche Versorgungsnetz Russlands und weiter Europa.